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Welche Arten der Therapie gibt es bei Osteoporose?

Heutzutage gibt es eine ganze Reihe von verschiedenen Möglichkeiten, der Krankheit entgegenzuwirken. Dazu zählen die Veränderung des Lebensstils, alternativmedizinische Ansätze, als auch die Therapie, wie sie die Schulmedizin vorsieht. Auf letzteres wird in diesem Abschnitt eingegangen. Arzneimittel bilden dabei einen der Grundpfeiler der schulmedizinischen Therapie.

Aufgrund der großen Auswahl an Präparaten ist es wichtig das richtige Mittel zum richtigen Zeitpunkt der Krankheit einzusetzen, um einen möglichst großen Erfolg während der Behandlung zu erzielen. Dazu ist es nötig, die Wirkstoffe der Medikamente genau zu kennen, um diese genau auf die Ziele abzustimmen.

Die Therapie einer relativ jungen Person unterscheidet sich beispielsweise grundsätzlich von der Behandlung einer Person die sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium von Osteoporose befindet. Bei der Auswahl der richtigen Medikamente spielen auch die Nebenwirkungen eine wichtige Rolle, da diese ebenfalls auf die Person, die sich in Therapie befindet, abgestimmt werden müssen. 

Allerdings muss auch darauf hingewiesen werden, dass Arzneien die in Deutschland auf den Markt kommen, ausgiebig auf Wirksamkeit geprüft worden sind. Deshalb kommt es auch nur bei einem geringen Bruchteil der Betroffenen zu schlimmeren Nebenwirkungen. Deswegen sollte immer die Wirksamkeit der Medikamente im Vordergrund stehen. Erst im nächsten Schritt stellt sich die Frage wie stark sich die Nebenwirkungen auf den Körper auswirken.

Medikamente die häufig eingesetzt werden: 

Abbaubremsende Medikamente (Antiresorptiva)

Bisphosphonate

  • Alendronat (Fosamax®)
  • Risedronat (Actonel®)
  • Pamidronat (Aredia®) 

 Bisphosphonate sind Arzneimittel, die dazu beitragen die Abbaurate der Knochen zu Normalisieren, in dem sie eine Schutzhülle bilden. Dieser Schutzmechanismus trägt dazu bei die Knochen vor den schädlichen Osteoklasten zu schützen, welche maßgeblich für die Abnahme der Knochendichte verantwortlich sind. Bisphosphonate schützen allerdings nicht nur vor den Osteoklasten, sie verringern auch ihre Anzahl und Lebensdauer.

Durch die Bekämpfung der Osteoklasten tritt eine effektive Hemmung des Knochenabbaus ein. Infolge dessen nimmt die Knochendichte in den ersten 3 Jahren der Therapie jährlich um etwa 2-3 Prozent zu. Desweiteren sinkt die Gefahr von Knochenbrüchen beträchtlich: Besonders bei Patienten die bereits davon betroffen waren, sinkt die Wirbelbruchrate um bis zu 50 Prozent. Auch am Oberschenkelhals konnte eine deutliche Verringerung der Bruchwahrscheinlichkeit festgestellt werden.

SERM’s (Selektive Östrogen-Rezeptor-Modulatoren)

Obwohl der Name es vermuten lassen würde, SERM’s stehen in keinerlei Beziehung zu Östrogenen oder Hormonen im herkömmlichen Sinne. Im Gegensatz zu den Bisphosphonaten, gehen die SERM’s über die Bildung einer Schutzschicht für den Knochen hinaus. Sie greifen die Osteoklasten direkt an und hemmen ihre knochenabbauenden Prozesse

SERM’s wirken direkt an den Knochenabbauenden Zellen (Osteoklasten) und bremsen so den weiteren Abbau der Knochen. Durch die unmittelbare Beeinflussung der Östrogenrezeptoren diesen Stellen, entsteht eine antiresorptive Wirkung, wodurch ihre Aktivität deutliche eingeschränkt wird. In Folge dieses Prozesses sinkt beziehungsweise normalisiert sich die Knochenabbaurate wieder auf ein normales Niveau.

 Ähnlich wie bei den Bisphosphonaten tritt in Folge der Behandlung mit SERM’s (einziges zugelassenes Mittel heißt Raloxifen) eine Verlangsamung des Abbaus der Knochen ein. Ebenso sinkt die durch Osteoporose verursachte Bruchrate der Knochen, insbesondere Wirbelkörper, deutlich. Zu guter Letzt kann man nach ausreichender Behandlung mit Raloxifen auch einen deutlichen Anstieg der Knochendichte und Knochenmasse beobachten.

Calcitonin

Das sogenannte Calcitonin ist ein körpereigenes Hormon. Produziert wird es hauptsächlich in den C-Zellen der Schilddrüse und zählt neben dem Parathormon zu den wichtigsten Regulatoren des Knochenstoffwechsels. Droht im menschlichen Körper ein Mangel an Calcium, so wird das Calcitonin von der Nebenschilddrüse ausgeschüttet um so für eine Normalisierung des Werts zu sorgen.

Ähnlich wie die anderen zuvor erwähnten Mittel senkt auch Calcitonin die Knochenabbaurate. Auch die Knochendichte steigt an, allerdings nicht in dem Ausmaß wie es bei den Bisphosphonaten oder den SERM’s der Fall ist. Durch diesen Anstieg verringert sich wiederrum die Gefahr von Knochenbrüchen, besonders im Bereich der Wirbelkörper.

Im Gegensatz zu den anderen Mitteln wirkt Calcitonin nicht nur bei Knochenschwund, sondern kann auch zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden. Besonders häufig wird Hormon bei akuten Knochenbrüchen, besonders an den Wirbelkörpern eingesetzt. Wird Calcitonin zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt, so kann eine Verabreichung nur in Form eines Nasensprays oder eine Spritze erfolgen, da das Hormon bei oraler Einnahme im Magen zerstört werden würde. 

Östrogene; Progesteron

Die Wirkung der Östrogene und des Progesteron lässt sich in der Wirkung fast 1:1 mit den SERM’s vergleichen, da sie ebenso als Osteoklastenhemmer fungieren und die Abbaurate der Knochen somit verringern

Wie bei allen anderen Mitteln wird das Risiko von Frakturen deutlich gesenkt. Besonders bei Frauen mit verstärkter Östrogeneinnahme, leiden wesentlich seltener an Frakturen als bei denjenigen, die keine zusätzlichen Hormone einnehmen. Allerdings muss erwähnt werden, dass die Effekte der Hormontherapie wesentlich geringer ausfallen als bei der Behandlung mit Bisphosphonaten oder Raloxifen.

Welche Mittel gibt es?

  • Östriol, Östron: - verhältnismäßig schwache Östrogene, die aufgrund der heutigen wissenschaftlichen Fortschritte, nicht genügen um Osteoporose ausreichend zu bekämpfen.
  • Östradiol - das natürliche Östrogen von geschlechtsreifen Frauen.
  • Konjugierte natürliche Östrogene - wird aus dem Harn von schwangeren Stuten gewonnen. Weltweit das bekannteste Mittel was die Wirkung angeht
  • Transdermal wirksame Östrogene - großer Vorteil: Durch die Aufnahme über die Haut (Östrogenpfalster) kann eine Belastung der Leber ausgeschlossen werden.
  • Depotpräparate - Kombination eines Östrogens mit Androgenester; sind gut geeignet um vegetative Symptome rasch zu beheben.
  • Tibolon - relativ neues Präparat, welches in geringen Mengen das männliche Geschlechtshormon enthält.

Vorschriften bei der Einnahme: Die Behandlung mit Östrogen kommt nur für weibliche Personen in Frage die keine Gebärmutter mehr besitzen, da die Gefahr von Gebärmutterkrebs durch die Einnahme deutlich steigen würde. Frauen die noch eine Gebärmutter haben, müssen deshalb immer zusätzlich Progesteron zu sich nehmen. Weitere Risiken sind beispielsweise: Myome (gutartige Wucherungen an der Gebärmutter), Thrombosen und Embolien (Verschluss von Gefäßen)

Knochenaufbaustimulierende Medikamente:

Fluoride:

Fluor zählt zu der Gruppe der Halogene und ähnelt damit anderen Stoffen wie Chlor, Brom und Jod sehr. Lange Zeit galten Fluoride als das Mittel schlechthin zur Behandlung von Knochenschwund und dem damit verbundenem Aufbau von Knochenmasse. Seit Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, ist der Einsatz von Fluoriden stark in die Kritik geraten, da nachgewiesen werden konnte, dass sie das Risiko von Knochenbrüchen sogar noch weiter verstärken.

Grundsätzlichen haben Fluoride zwei gegensätzliche Wirkungen auf die Knochen . Zum einen fördern sie die Bildung der Osteoblasten, welche wiederrum die Hauptverantwortlichen für den Aufbau der Knochen sind. Wegen diesem Effekt stand die Therapie mit Fluoriden auch so lange im Fokus der Medizin. Der zweite Effekt allerdings macht den Einsatz des Mittels wiederum fragwürdig, denn die Knochenmasse nimmt zwar zu, allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit Frakturen zu erleiden, da die Belastungsfähigkeit sinkt.

Welche Mittel gibt es?

  • Natriumfluoride (NaF) wie Fluoros, Ospur F25, Ossin, NaFril, Strafortin, Ossiplex retard®
  • Fluorophosphate wie Tridin, Tridin forte, Fluoril.
  • Vitamin-D-Metabolite:

Was sind Vitamin-D-Metabolite?

Zu allererst muss man die verscheiden Arten des Mikronährstoffs voneinander abgrenzen. Zum einen gibt es das Vitamin D welches durch die Nahrung (Fisch, Butter, Pilze) aufgenommen wird. Zum anderen gibt es das sogenannte Vitamin D2 und D3 welches durch Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. Wirksam ist in diesem Fall aber nur die das Vitamin D, welches durch die Nahrung aufgenommen wird. Aufgrund des in Deutschland häufig vorkommenden Mangels dieses Stoffes, ist eine zusätzliche Versorgung sinnvoll, um Osteoporose entgegenzuwirken .

Vitamin D übernimmt eine tragende Rolle bei der Aufnahme von Calcium ein. Je mehr davon im Körper vorhanden ist, desto besser kann die Darmschleimhaut, den über die Nahrung zugeführen Mikronährstoff absorbieren. Ebenso positiv ist die unterdrückende Wirkung des D-Hormons auf die Bildung von Parathormon. Ein Überschuss an Parathormon ist einer der häufigsten Gründe für altersbedingte Osteoporose.

Testosteron:

Testosteron ist eines der männlichen Hormone, genauer gesagt das wichtigste Sexualhormon des Mannes. In letzter Zeit gelang das Hormon, vor allem durch den Einsatz als Dopingmittel, immer stärker in den Fokus der Öffentlichkeit. Nicht ohne Grund wurde Testosteron zur Leistungssteigerung verwendet: wie der Name schon verrät, handelt es sich bei dem Hormon um ein anaboles Steroid. Aber auch in der Osteoporose-Forschung hat man ein Potential erkannt. Durch die Einnahme von Testosteron erfolgt eine verstärkte Aktivierung der Knochenaufbaurate, wodurch auch die Knochendichte zunimmt. Allgemein gehen Mediziner von einer positiven Wirkung auf Knochenbrüche aus, was aber noch in keiner großangelegten Studie nachgewiesen werden konnte. 

Obwohl sich Testosteron positiv bei Knochenschwund auswirkt, sind die Nebenwirkungen noch wenig erforscht. Deswegen kommt das Hormon heutzutage noch eher selten zum Einsatz. Da Leberschäden, Veränderungen des Stoffwechsels und die sogenannte Virilisierung (= Vermännlichung) nicht ausgeschlossen werden können, sollte die Behandlung erst nach ausführlicher Rücksprache mit einem Arzt, der auf dieses Gebiet spezialisiert ist, erfolgen. 

Welche Mittel gibt es?

  • Intramuskuläre Injektion: Deca-Durabolin, Jenapharm, Testoviron
  • Tablettenform: Andriol
  • Testosteronpflaster: Androderm, Testoderm 

Parathormonfragment “Teriparatid”

Parathormon ist ein relativ neues Mittel zur Behandlung von Osteoporose, welches erst Mitte des letzten Jahrzehnts in Deutschland zugelassen wurde. Es konnte mit Hilfe ein Computertomographen nachgewiesen werden, dass die neugebildeter Knochen, welcher durch die Einnahme von Parathormon entstanden ist, eine nahezu natürliche Struktur besitzt.

Mediziner auf der ganzen Welt waren erstaunt, dass die Einnahme von Parathormon den Aufbau der Knochenmasse führt, denn bisher war Parathormon eher für das Gegenteil bekannt. Normal entsteht Parathormon, wenn es im menschlichen Körper zu einem starken Mangel an Calcium und Vitamin D kommt. In Folge dessen verstärkt das ausgeschüttete Parathormon die Knochenabbaurate. 

Das Geheimnis im Erfolg dieser Stoffes liegt in der Dosierung. Um das Hormon erfolgreich gegen Knochenschwund einzusetzen, ist es wichtig regelmäßige einen hohen Blutspiegel zu erzeugen, der sich dann von selber wieder in kurzer Zeit normalisiert. Mit dieser Methode lassen sich vor allem die Osteoblasten aktivieren, welche für den Großteil des Knochenaufbaus verantwortlich sind. 

Bei der Einführung des Medikaments Forteo, einem aus Parathormon hergestellten Präparat, wurden mehr als 2000 Patienten über 21 Monate lang mit dem Mittel behandelt. Es konnte festgestellt werden, dass die allgemeine Knochendichte um circa 12 Prozent zugenommen hat. An der Wirbelsäule macht die Zunahme immer noch rund 4 Prozent aus. Desweiteren verringerte sich das Knochenbruchrisiko um ganze 65 Prozent. Auch nicht vertebrale Knochen profitieren von der Behandlung. Das Wahrscheinlichkeit einer Fraktur sank um 50 Prozent

Alternativ-Medizin

Zu guter Letzt seien auch die Methoden der Alternativ-Medizin zur Behandlung von Osteoporose erwähnt, deren Wirksamkeit von vielen Wissenschaftler angezweifelt wird, da noch keine aussagekräftigen Studien durchgeführt werden konnten.

Basische Ernährung:

Durch die Einnahme von Basensalzen und den Verzehr von überwiegend basischen Lebensmitteln, soll eine Übersäuerung des Körpers verhindert werden. Durch den Einsatz von Calciumsalzen, welche als Puffer fungieren, soll laut den Anhängern dieser Behandlungsmethode, der Knochenschwund verringert werden.

Dazu sollte auf folgende Lebensmittel verzichtet werden:

  • Bohnenkaffee
  • Schwarztee
  • Alkohol
  • Cola- und Limonadengetränke
  • tierisches Eiweiß (Fleisch, Wurst, Fisch)
  • Fast Food und Fertiggerichte
  • einen Großteil der Milchprodukte
  • Industriezucker, Süßstoffe, Süßigkeiten
  • Weißmehl und Weißmehlprodukte
  • Nüsse

Empfohlen wird:

  • Gemüse- und Fruchtsäfte
  • Kräutertee
  • Gemüse und Salate
  • Früchte

 Obwohl der Gesamtzusammenhang zwischen basischer Nahrung und der Wirksamkeit gegen Osteoporose noch nicht bewiesen ist, zeigen Teilstudien, dass gewisse Mittel eine positive Auswirkung auf die Auslöser von Knochenschwund haben. Beispielsweise konnten einige Untersuchungen zeigen , dass der hohe Basengehalt in pflanzlicher Nahrung positive Auswirkungen auf die Knochendichte hat. Außerdem konnte nachgewiesen werden, dass Kaliumcitrat dem Calciumabbau in den Knochen entgegenwirkt. Ebenso verringert es die Menge an Calcium, welches durch die Niere ausgeschieden wird.

Magnetfeldtherapie:

Diese Art der Behandlung gibt es nicht erst seit einigen Jahren; bereits in der Antike war die heilende Wirkung von Magnetfeldern bekannt. Man geht davon aus, dass jeder Organismus ein eigenes Magnetfeld besitzt, auf welches mit einem schwachen künstlich erzeugten Magnetfeld, Einfluss nehmen kann. 

Zu den positiven Auswirkungen auf den Körper zählt beispielsweise die Verbesserung der Gefäßdurchblutung sowie eine gesteigerte Sauerstoffaufnahmefähigkeit der Zellen. Auch in der Osteoporose-Therapie findet diese Methode Einsatz. Studien haben gezeigt, dass die Stimulierung des Magnetfeldes die Neubildung von Knochenmaterial unterstütz. Ebenso wirkt sich die Therapie auf bereits gebrochene Knochen aus, welche in ihrem Heilungsprozess positiv beeinflusst werden.

Ein weiterer Vorteil dieser Behandlungsmethode liegt im geringen Vorhandensein von Nebenwirkungen. Nur wenige Personen klagen über Beschwerden, welche dann auch nur aus Unruhe oder verstärktem Schlafdrang bestehen. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass die Magnetfeldtherapie auch von anderen Faktoren abhängt, wie zum Beispiel Alter des Patienten oder Lebensstil wozu auch die Ernährung zählt.

Vibrationstraining:

Diese Art der Behandlung wurde ursprünglich für russische Kosmonauten entwickelt. Die zu behandelnde Person muss auf einer vibrierenden Platte stehen, welche im Frequenzbereich von 20 – 50 Hz schwingt. Dadurch wird der Dehnreflex der Muskulatur ausgelöst, was wiederrum du einer Kontraktion führt. Erste Studien haben gezeigt, dass die einwirkenden Kräfte auch beim Aufbau von Knochenmasse hilfreich sind.